Erfahrungen
 
 
Hier finden Sie Erfahrungsberichte unserer Gruppenteilnehmer.
 
 
 
"Mutter-Seelen-Allein? Ich glaube, es gibt kein besseres Wort für meine Situation.
 
Mutter: 
 
beschreibt meinen körperlichen Zustand: Frau, Mutter, Ehefrau, Hausfrau, aber auch einfach nur Mensch mit Bedürfnissen und Wünschen, Fehlern und ganz viel Liebe.
Aber nicht nur das.
Wenn ich mich im Spiegel betrachte, bin ich nicht wirklich mit mir zufrieden. Klar, meine Hosen passen wieder, aber ansonsten sehe ich ausgezehrt und leer aus. Wie ich mich fühle, steht in meinem Gesicht.
Meine Augen blicken verloren zu mir, die Tränensäcke kann ich auch nicht mehr verbergen und endlich weiß ich auch, wo die herkommen.
Meine Lachfalten kann man auch kaum noch erkennen, stattdessen zeichnen sich tiefe Verzweiflungsfurchen in meiner Stirn ab. Es ist erschreckend. Ich verfalle?!
Die Wangen eingefallen und mein Gesicht ist fahl und tot. Da rührt sich nichts mehr. Die Haut hatte auch schon rosigere Zeiten erlebt.
Und wenn ich nun so weiter an mir runter schaue, wird´s nicht besser.
Zwar bin ich meinen Bauch los und meine Brüste sind wieder auf Normalgröße geschrumpft, so sehen sie aber leider auch aus. Schlaff, faltig und schrumpelig, als wenn man einem Luftballon die Luft zu schnell entweichen läßt.
Ich entdecke nichts, was mir auf Anhieb gefällt. Kein Lachen, keine Grübchen, kein wohlgeformter Körper.
Ich sollte stolz auf meinen Körper sein, er hat Großartiges vollbracht. Aber ich sehe nur ein Wrack aus Fleisch und Knochen, umhüllt von lebloser Haut, das verloren dahin vegetiert.
Das bin doch nicht ich!
Wie kann mich denn jemand lieben, wenn ich mich selbst nicht ertrage?
Ich greife nach dem Handtuch und schreie lautlos hinein.
Die Tränen finden ihren Weg sturzflutartig. Ich krampfe innerlich, meine Hände krallen sich fest. Ich kann nicht mehr in den Spiegel sehen, ich ertrage es nicht. Ich ertrage mich nicht.
Hilflos finde ich mich zwischen Badezimmerschrank und Wickeltisch auf einem Trethocker wieder. Ich bin kein Häufchen Elend. Ich bin das Elend.
 
Immer öfter verstecke ich mich hinter einem seichten Schleier, einem Nebel, der mich auf der einen Seite beruhigt und endlich schlafen läßt und auf der anderen Seite die quälenden Gedanken und Sorgen, die nervraubenden Vorstellungen in meinem Kopf verdeckt. Sie sind nicht weg, aber es betäubt so schön und ich hab mal einen kleinen Moment absolute Ruhe, kann die Augen schließen und loslassen.
 
 
Seele:
 
Meine psychische Verfassung. Mein Innerstes. Erkrankt die Seele, erstarrt der Körper.
Alles um mich herum ist uninteressant, ein Loch tut sich auf und frisst mich. Ich falle hinein und finde den Ausweg nicht mehr. Das Rettungsseil schwankt hin und her, ich krieg es nicht zugreifen.
Diese Zweifel und Ängste nagen an mir, zerfressen Stück für Stück mein Innerstes.
Ich fühl mich leer und verbraucht, ohnmächtig, meine Seele vor diesen Angriffen zu schützen und noch dagegen anzukämpfen.
Ich wollte doch nur glücklich sein, ein Kind bekommen und zufrieden und glücklich mit meiner Familie leben. Ich möchte doch nur, dass es allen gut geht, dass es uns an nichts mangelt und wir uns frei entfalten können. Es muss gar nicht perfekt sein, aber wenigstens annähernd. Ich will mich nicht mit Schuld und Krankheitsfragen quälen müssen, ich will mir nicht über unsere finanzielle Situation Sorgen machen müssen. Ich will mich den Aufgaben, der Verantwortung für meine zwei Kinder stellen.
Ich will leben!
Ich will mich mit meinen Kindern freuen, in ihre strahlenden Gesichter sehen und wissen, dass es ihnen gut geht und ich nichts falsch gemacht habe!
 
 
Allein:
 
beschreibt mein derzeitiges Gefühlschaos. Das ist es, was ich fühle.
Ich bin allein, ich fühle mich allein gelassen, verlassen. Ich kann ja kaum mit jemanden reden. Auch wenn ich es vielleicht möchte, es ist keiner da. Keiner, der Verständnis aufbringt oder auch weiß, was ich fühle.
Ich sitze hier allein. Definitiv.
Ich sitze hier allein. Der Fernseher dudelt vor sich hin.
Ich sitze hier allein. Depressiv.
Ich sitze hier allein. Kein Handy klingelt, kein Telefon schrillt laut, keine Post, keine Besuche.
Ich sitze hier allein.
 
Eigentlich hätte mich die Internetseite aufbauen und unterstützen sollen, tat sie aber nicht.
Es sollte mich aufmuntern, aber ich bin fertig, kämpfe mit den Tränen und starre fassungslos auf den Bildschirm. Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich weiß jetzt zwar, was mir fehlt, aber es schmerzt. Diese Erkenntnis schmerzt. Es tut weh! Verdammt weh!
Und es macht mir Angst. Noch mehr Angst, als ob ich nicht schon genug davon hätte. Und ich werde sie einfach nicht los. Angst um meine Kinder, meine Familie. Angst um mich. 
Und was soll ich denn bitte schön mit den Tipps anfangen?
Vitaminreiches Essen, Sport, Bewegung an der frischen Luft, Umgang mit anderen Menschen, mit anderen Müttern, offene Gespräche, Eingestehen des eigenen Gefühlschaos, inniger, körperlicher Kontakt mit dem Baby und so weiter.
Aber das kann ich nicht.
Ich krieg Obst einfach nicht runter. Ich gehe es kaufen, es sieht auch lecker aus, aber nach ein paar Tagen schmeiße ich es weg, weil es langsam verfault. Wieder nicht geschafft. Ich schaff´s einfach nicht.
Sport? Wie soll das denn gehen? Ich habe zwei Kinder, die versorgt werden müssen, einen Haushalt zu führen und auch mein Mann soll nicht zu kurz kommen. Wann, bitte schön, soll ich denn dann noch Sport machen? Und außerdem, was soll ich denn tun?
Bewegung an der frischen Luft läßt das Wetter leider die letzten Tage nicht zu. Und selbst wenn ich dann mal raus gehen kann, um mit der Kleinen spazieren zu gehen, begegne ich keinem Menschen. Das Dorf scheint leer gefegt. Bin also wieder allein. Wie ironisch.
Ich versuch´s mal mit Schokolade.